Marina-Paunovic-Autorin-Blog-08

„Es gibt Tage, da geht einfach alles schief“, sage ich, verschränke meine Arme vor der Brust und ziehe einen Schmollmund. Ich weiß, dass ich das jetzt nicht sagen sollte. Dass ich nur eine Entscheidung davon entfernt bin, wieder gut drauf zu sein. Aber ich will jetzt nicht. Ich will einfach mal schlecht gelaunt sein. Denn das ist verdammt nochmal in Ordnung.

Ich bin es gewohnt, dass in meinem Leben meistens alles gut läuft. Weil ich mich oft dafür entscheide, das Positive in jeder Situation zu sehen. Aber das Leben besteht nicht nur aus Hochs und manchmal zwingt es einen absichtlich in die Knie. Nicht als Strafe oder als Test, sondern viel mehr, weil wir uns so viel schneller weiterentwickeln.

„The higher you fly the deeper you fall“, sagte ein Freund Anfang des Jahres zu mir, als wir in London in einem Café saßen und über das Leben sprachen. Und obwohl ich den Spruch früher nicht mochte, weil er mir irgendwie total pessimistisch vorkam, verstand ich ihn plötzlich anders, als er ihn sagte. In diesem Kontext konnte ich mich sofort damit identifizieren. 

Je mehr Glück du fühlst, desto intensiver spürst du auch die Dunkelheit. Weil der Kontrast so groß ist. Ich bin oft gut gelaunt, verliebt in das Leben und dankbar für jeden Tag. Aber wenn ich falle, dann falle ich richtig. Dann falle ich tief. Von einem Extrem in das andere. Und der Auslöser dafür muss nicht immer unbedingt groß sein. 

Manchmal überrascht mich das Leben so plötzlich, dass ich erstmal nicht hinterherkomme. Und manchmal packt mich dann die Angst und bringt mich dazu, alles anzuzweifeln. Plötzlich hat nichts mehr einen Sinn. Plötzlich sehe ich Hindernisse, dort wo ich vorher nur Abenteuer sah. 

Aber das Schlimmste, das ich dann machen kann ist, mich dafür fertig zu machen.

Und deshalb lasse ich mich einfach fallen.

Lasse mich von der Angst beherrschen, erlaube mir traurig zu sein. Falle tiefer und tiefer und stoße auf tausend Unsicherheiten und Selbstzweifel. Spüre die Schwere auf meiner Brust und wie flach mein Atem wird. Ich falle ins Nichts und nichts macht mehr Sinn. Schneller und schneller und ich warte nur darauf, endlich auf dem Boden aufzuschlagen.

Aber plötzlich werde ich langsamer. Und der Boden ist immer noch nicht zu sehen. Die Emotionen werden schwächer. Sie hatten ihren Raum, durften sich entfalten und nun ziehen sie sich langsam zurück, werden schwächer und schwächer. Werden leichter. Und auch ich werde wieder leichter. Die Schwere verschwindet, mein Atem wird tiefer. Und dann geht es wieder aufwärts. Langsam an die Oberfläche. Die Dunkelheit macht dem Licht platz. Ich kann wieder atmen. Schnappe nach Luft. 

„Blumen blühen auch nicht das ganze Jahr. Warum erwartest du das dann von dir?“Guter Vergleich. Gute Frage. 

Das Leben ist eine Achterbahnfahrt. Mal geht es hoch, mal geht es runter. Und genau das macht es auch so spannend. Ich möchte kein Leben, dass einer Fahrt mit einem Kinderkarussell gleicht. Ich liebe Extreme.Ich liebe es, wenn es rasant nach oben geht. Wenn mein Körper Adrenalin und Serotonin ausschüttet und ich mein Glück kaum fassen kann.

Aber manchmal ist der Fall genauso spannend wie der Aufstieg. Ich falle und falle, aber ich weiß, dass ich nicht auf dem Boden aufschlagen werde. Dass da immer eine Kraft ist, die mich wieder nach oben katapultiert. Und jeder Fall stärkt dieses Vertrauen. Jeder Fall bringt mich dazu, die Aufstiege mehr zu schätzen. Und jeder Fall bringt mir etwas bei, dass ich ohne ihn niemals gelernt hätte.

Wer hoch fliegt, der kann auch tief fallen. Und ja – ich will beides. Ich will diese Achterbahnfahrt. Ich will Emotionen und das Leben spüren. Denn genau das bedeutet es, wirklich zu leben. Höhen und Tiefen, Licht und Schatten. Wir sind so viel mehr als nur eines davon. Wir leben in einer dualen Welt, haben nicht nur eine Seite, sondern ganz viele. 

Ich möchte keine Angst vor Emotionen haben, keine Angst vor dem Fall. Denn ja, man fällt tiefer, wenn man höher fliegt. Und das kann einem Angst machen. Aber dieser Fall zeigt mir nur, wie gut ich mich normalerweise fühle. Denn nur durch diesen Kontrast, erlebe ich die Tiefs so intensiv. 

Je höher man fliegt … 

desto intensiver wird das Leben. Desto mehr spürt man. Desto mehr lebt man. 

Und natürlich fällt man tiefer. 

Aber ich will es trotzdem wagen.

Weil genau dieser Kontrast für mich bedeutet, wirklich am leben zu sein. 

 

 

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Marina  ♥